4D-Körnchen

Aber wie der Schmidt-Text die Schrift, oder wenigstens die Substantiv-Schrift, als etwas Vierdimensionales herzeigt. (Unter all dem Geraune über ‚die Schrift’ und ihre Abwesenheiten: auch mal Ernst gemacht damit.)

Buchstaben klauben – da fehlt doch was – Einsatz Kopfstimme – da fehlt doch was – Bild, Bilder, kippeln – zurück auf Los oder Absprung.

Das hat was, für mich, wie aus diesem Gummiband zwischen unlöslichem Aussprechen und Hingeschriebenem die Bilder und Sprechs wie kleine Hologramme herausschießen.

Vor allem ist es keine schlechte Handhabung der Zeit. Wie die Körnchen ins filmische/dramatische Verstreichen gestreut werden. So dass sich die Zeit zu kleinen Schleifen, Schlaufen biegt, über einem Wort als dem Gewackel zwischen Schreib und Sprech und Mals dir aus.

Vielleicht ist von da her mein erster Impuls gekommen: ich hätte lieber die Zettel als den gesetzten Traum. Dann hätte man nur diese Körnchen und würde sich einiges sparen können. Und wäre freier in der Wahl der Distanz.

Und man könnte von den Zetteln kommend kleine digitale Installationen basteln, morphende loops. Könnte man aber so natürlich auch, wenn man könnte; oder wollte.

Feld der Schrecken – kleine Presseschau am Sonntagabend

In der „Süddeutschen Zeitung“ hat Georg Klein am Samstag einen autobiografischen Vortrag über den (im Text origineller Weise nicht explizit genannten) „berühmten“ Roman „Zettel’s Traum“ publiziert, der mit der Feststellung endet, er, Klein, halte die im Buch verteidigte Etym-Theorie (auch sie wird im Artikel allerdings nicht genauer benannt) für einen „rechten Budenzauber“.

Als sei es ein Seitenhieb auf „schauerfeld.de“, erwähnt Klein zu Beginn seines Essays, die Hauptfigur des erwähnten Romans übersetze das Schauerfeld, auf dem die Handlung von Schmidts Riesen-Text bekanntlich einsetzt, ins Lateinische als „Campus horrorum“, wobei der Protagonist wohl darauf spekuliere, dass Leser, die Latein könnten, dies sogleich als „Feld der Schrecken“ ins Deutsche zurück übersetzten. Nicht unwitzig – denn wer will den himmelschreienden Quatsch, der hier bisher so ‚gebloggt‘ wurde, eigentlich noch lesen? Weiterlesen

Laune

Heute will ich nur Gutes an „Zettels Traum“ finden. Das hängt mit den äußeren Umständen zusammen, in denen ich das Buch habe. Vor einigen Tagen war ich mit Kerstin Cmelka unterwegs, und sie stand Schmiere bei meinem Rad, während ich in der Schlange war. (Was las ich denn in der Schlange? Auch das war schon gut, wenn ich mich recht erinnere. Es war Eugen Onegin, Reclam, übersetzt in unregelmäßigen Versen von Kai Borowski, und zwar reizend und angemessen.) Mit dem Paket auf dem Gepäckträger gab es noch Ausflug, wir gingen ins Rumbalotte Continua, ausprobieren, ob, wo der Papenfuß arbeitet, auch andere arbeiten können, und sie können, und dann hatten sie Feierabend, und dann gingen sie nach Hause. Große Spannung ging von der Frage des Paketinhalts aus, es hätte nämlich auch das verlorengegangene Paket meiner eigenen Bücher sein können, wars aber nicht. Dann hats der Apunkt mir geholfen, alle Möbel umzuräumen, und hats Schmidtbuch aus der Folie gelöffelt, um freies Atmen zu ermöglichen. Nun eben hab ich den Kartonschuber mit einer Hand genommen (die Spanne und Kraft reichen gerade so aus, er ist für seine Größe leicht, hätte auch viel schwerer sein können; nach ein paar Metern ists zum Glück zum Absetzen) und vor mich hingestellt. Seh ich also die Rücken. Sie sehen aus wie die Rücken von Magersüchtigen.

Weiterlesen

Es lebe der Fehler!

Da sind sie nun also, die vier neu gesetzten Teilbände von ZETTEL’S TRAUM! Ich bewundere die Arbeit, die da reingesteckt wurde, und die typographische Kompetenz, die dabei an den Tag gelegt wurde. Gleichzeitig frage ich mich: Geht dabei nicht auch Entscheidendes verloren? Ich bin eingestandenermaßen ja ein Freund des faksimilierten Typoskripts, und zwar gerade weil dieses all die scheinbaren ‚Fehler‘ enthält, die Schmidt auf dem Papier hinterlassen, oft genug allerdings auch gerade zum Einsatzpunkt seiner Poetik gemacht hat: Streichungen, die Schmidt etwa zum Anlass für ein Wortspiel nimmt, Vertipper, die eine Kaskade von Wortwitzen erzeugen, die ganz offenbar im letztlich sichtbar gemachten bzw. gebliebenen Prozess entwickelt werden.

Weiterlesen

Hiobisiert

Als ich Stefan erzähle, richtiger: beichte, dass mittlerweile auch ich … , verfinstert sich sein Gesicht. Er schiebt seine Baseball-Kappe aus der Stirn, setzt sich aufs Fensterbrett und starrt ohne ein Wort zu sagen geraume Zeit in die Nacht, als beziehe seine Miene von dort zusätzlich Finsternis. Später eröffnet er mir bei einer Tasse löslichen Kaffees, dass er Arno Schmidts Werken zum ersten Mal bei seinem Eintritt ins Innsbrucker Oberstufenrealgymnasium begegnet sei.

Weiterlesen