PopSchmidt, Schluß; oder: Was hat ZT mit „Eve of Destruction“ zu tun?

In „Zettel’s Traum“ kommt alles entweder „irgendwie“ vor oder ist zumindest „irgendwie“ damit verknüpft (= verknüpfbar). Also:

Ganz am Ende, auf den Seiten 1492-93 (klingt wie die Entdeckung Amerikas) der Neuausgabe, wird rechts am Rand von zwanzig bis null runtergezählt, „Ignition“ und „Lift off“ könnte uns dazu einfallen, aber das hat Schmidt „einfach nur“ aus „Finnegans Wake“ geklaut, nämlich vom Ende jenes Kapitels, das Joyce dreispaltig angelegt hat. (Nö, Zufall ist das nicht.) Die Mittel- gleich Hauptkolumne endet mit einer geöffneten, aber nicht wieder geschlossenen Klammer: „(: ›Excellenz fliegn am ganzn Leibe!‹ . . .“; das ist, wie Schmidt-Veteranen natürlich wissen, ein Zitat aus Otto Nebels „Zuginsfeld“. Und zwischen diesem Nebelzitat und dem Countdown, in einer Zwischenspalte, steht eine weitere Klammer, diesmal eine geschlossene: „( : No wheel to my wagon. Still I’m rowling along. )“ Weiterlesen

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Zettel, das ist Bottom, und Bottoms Traum muss zuunterst anfangen, etwas umdrehen und seiner Po-haftigkeit alle Ehre erweisen. Das tut er natürlich, bei AS, nun wissen wir, wie er zu Poe kam, den er lieber kurz Edgar nennt, ohne Alan, denn so viel Alan-Elan muss auf dieser Seite nicht sein. Wer als AS(s) den Po im Namen führt, ist schwer und leicht genug, um zu verpoen, sprich: das Projekt der eigenen Verpoung muss jemanden, der AS heißt, während er andere Figuren zu DP (displaced Depeschen) abkürzt, also selbst das eigene ASS betont, schon lange ein Anliegen gewesen sein, was sage ich: ein ASS-iger Wesenszug, wobei der Text huhu „der Text“ naturgemäß zu wackeln beginnt, wien spakte braucht (steht so in den Notizen, bleibt stehen, das ist der Einfluss), mindestens und ein zweites A vom anderen Poe entleiht, eben jenes des Aliens Alan, um zwischen ASS und AAS probat hin- und herschaukeln zu können, denn in den Wald gehört bekanntlich alles, ein wholehole, wie Text nicht unterdrücken kann cannot suppress limit bepoe itself not to say him-

supp-pressen oder „sich untersuppen“

ebenfalls

sogenannt naturgemäß

Alice im Wunderland, der schrecklichen Untertüte des „ich lebe neben einem Poposchreibenden, einem Verpoeer, einem Poeten, einem pooren Reev.“ Schon hisste AS, in Bottoms ASS die Fahnen und begann den nächsten Wald, den man vor Zäunen, an denen Thürmus und Bautzi-Bambi saßen, kaum sah.

Unsterblichkeit mit Tina und Arno

Ich taste mich langsam heran. Einen Abend Hörspiel Brand’s Haide, in dem Ulrich Wildgruber den Nachkriegshelden gibt. Im Hintergrund kichernde Weiber. Eine geht nach Amerika (oder war es Kassel?). War zwischendurch abgeschweift. Abgeschwiffen gefällt mir eigentlich besser. Der Pappkarton mit Zettel’s Traum schlummert noch neben dem Schreibtisch. 1988 hätt’ ich gemordet dafür. Naja. Übertrieben. Aber ich kenne einen, der sich Zettel’s Traum vom Begrüßungsgeld gekauft hat. Ich glaube, das von seinem Freund musste er noch dazulegen. Weiterlesen

Pagenstecher als „nicht zu Ende geborener Mann“

Das „Campus horrorum“ als ein „Feld der Zeichen“ zu beschreiben, ist sicher erhellend. Es klingt aber auch nach dem etwas aus der Mode gekommenen, poststrukturalistischen Jargon. Deutungen in diesem Stil führten oft dazu, die zeitgeschichtlichen Anspielungen von Texten zu ignorieren. Doch gerade in diesem Sinne sind die letzten Beobachtungen von Guido Graf und Friedhelm Rathjen so wichtig: Die Stacheldraht- und Kriegsgefangenschafts-Motivik spielt seit dem Prosaband „Kühe in Halbtrauer“ in der Tat eine auffallende Rolle bei Schmidt, und dass „Zettel’s Traum“ ausgerechnet mit dem typografischen Symbolbild des Stacheldrahts einsetzt, durch den wir als Leser gewissermaßen in Pagenstechers unendliche, selbst auferlegte Kriegsgefangenschaft mit eintreten sollen, ist wohl wirklich kein Zufall. Weiterlesen

Die Geburt Arno Schmidts aus dem Geist der Vergangenheit

„Die Moderne hat dem Menschen das Recht erkämpft, sich auszukotzen“, hat Davila gesagt. Ich nutze meine Rechte. Mein Hausgott ist gestürzt. Nicht nur die Treppe runter, das wäre bei sechs Kilo Buch schon genug, nein ganz, aus der Anbetbarkeit herausgefallen. Da habe ich also seit zwei Wochen ZT durch die Gegend gewuchtet, jetzt endlich fi/rte/letiert und den ersten Band der Studienausgabe zuhause hingelegt, einen Platz gesucht zum Lesen, Sofa besetzt, liegt schwangere Frau, Tisch ist unbequem, extra am Morgen raus, um sieben, wenn der Kopf noch frisch ist und nicht durch Nachrichten und Zeitung verklebt. Und dann zwischen den Stacheldrähten der ersten Seite durchgeschlüpft, nur ein bisschen eingelesen – also, tut mir ja leid.

Ich wäre gerne Fan von sowas, ich möchte wirklich wieder Teil einer Geistesbewegung sein – aber das hier ist schon arg geschmacksnervenaufreibend und was für die, die ihre intellektuellen Initiationsriten jetzt gerne leinengebunden zuhause stehen haben wollen. Vielleicht ist das ja die Sorte Mann, die man in weniger belesenen Kreisen als die kennt, die mit 40 endlich ihr Traummotorrad kaufen, und die jetzt den Rolling Stones von Konzert zu Konzert hinterherreisen. Weiterlesen