Ist „Zettel’s Traum“ ein „postmoderner“ Roman?

Guido Graf fragt, was an „Zettel’s Traum“ als „Bastelarbeit“ so „schmerzlich“ sei. Da steht eine Literatur-Kathedrale vor uns, aber irgendwie kommen wir immer nur in den Holzschuppen nebenan rein und dürfen ein bisschen an der Werkbank rumfummeln, andächtig die Werkzeuge betrachten. Und wer auch nur ein bisschen in dem Buch gelesen hat, muss wahrscheinlich auch schon wieder laut über den Satz lachen, den ich da jetzt hingeschrieben habe: Haha, da „steht“ also der sakrale Buch-Phallus vor uns, und man macht an den Geschlechtswerkzeugen rum, wie witzig, wie „verräterisch“! Weiterlesen

Rassismus bei Arno Schmidt

Andreas Platthaus und Stefan Mesch sind in ihren letzten Diskussions-Beiträgen auf einer wichtigen Spur. Sexismus, reaktionäre Stammtischparolen und rassistische Ausfälle begegnen dem Leser bei Schmidt, als verstörende Tiraden neben gewissermaßen 'antideutschen' Statements gegen die nationale Politik von Adenauer & Co., wie ich sie in meinem letzten Posting bereits anzitierte, auf Schritt und Tritt. "Hat sich die Schmidt-Philologie dieser Peinlichkeit angenommen?", fragt Platthaus herausfordernd. Selbstverständlich hatte sie bereits zu Schmidts Lebzeiten daran zu 'knacken', wie es etwa auch die ersten "ZT"-Lektüre-Notizen von Jörg Drews belegen, die wie gesagt im kommenden "Bargfelder Boten" (BB) in Auszügen nachzulesen sein werden, in den mich Rathjen netterweise schon einmal hineinlinsen ließ.

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Erinnerung, sprich (III)

„ ­–) : ‚Nòch I offenes Wort Dän : hat nicht Dein FREUD die ‚wilde‘, oder auch die ‚LaienAnalyse‘, imgrunde verurteilt? Und so was Ähnliches stellsDu doch hier an: ?‘“

Jörg Drews formulierte in seinen Notizen zur Lektüre von „Zettel’s Traum“, die im nächsten „Bargfelder Boten“ ausführlich nachzulesen sein werden: „Per Psychoanalyse kommen auch die Deuter in die psychoanalytische Hölle: ein Riesen-Karussel!“

Ja, Küchenpsychologische Untersuchungen oder gar Selbstanalysen anzustregen, ist riskant. Aber in welche aussichtslose Situation hatte ich mich als „Arno-Schmidt-Stipendiat“ da in Cordingen eigentlich begeben?

Nun saß ich zwar nicht direkt in Bargfeld – aber in Wahrheit gar nicht so weit davon entfernt, in einer noch dazu nur unwesentlich von Schmidts berüchtigter „Hundehütte“ zu unterscheidenden Klause, mitten auf dem platten Land. Es gab nicht einmal eine Kneipe in Cordingen ­– oder sagen wir so: Alles, was dem entfernt ähnelte, betrat man lieber gar nicht erst, um nicht in einer jähen Tiefendepressionen zu versinken.

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