hallo, ekliges deutschland? schmidts „seelandschaft mit pocahontas“

 

Erzählung. Erschienen 1955.

79 Seiten (S. Fischer-Ausgabe, Frankfurt am Main 2001)

Figuren / Plot:  Wikipedia (Link)  |  Goodreads (Link)

Mein zweites Buch von Arno Schmidt.

Arno Schmidt "macht es dem gutwilligen Leser sehr leicht, wenn nur die Hemmschwelle erst überwunden ist. Dann ist Schmidt witzig, spannend, amüsant, unterhaltsam und belehrend; subtil und doch bodenständig; weder feinsten Sprachspielen noch gröbsten Kalauern abgeneigt; ein umgänglicher Avantgardist", bloggt André Möller hier (Link).

Es stimmt: Schmidt ist kein "schwerer" Autor; das Schmidtlesen macht wenig Mühe, der grüne Leuchtstift hat sehr viel zu tun, denn jeder Satz ist ein Bild. Ein Scherz. Eine Gedankenpirouette. Ein Verweis. In jede Richtung darf man graben, aber aus keiner kommt schweres Geröll, in dem man stecken bleiben muss.

Weiterlesen

hallo, ostberlin? schmidts „das steinerne herz“.

 

Roman. Erschienen 1956.

220 Seiten (SZ-Bibliothek Bd. 98, München 2008)

Figuren / Plot:  Wikipedia (Link).  |  Goodreads (Link).

 

Mein erstes Buch von Arno Schmidt.

Und viel gefällt.

Ein sattes, reiches, bunt verspieltes Vokabular. Pointierte Sätze, alle knackig, glatt und vollgestopft wie Kinderüberraschungseierkapseln, an derem kleinteiligen Plastikzeug man lange bauen kann (oder halt nicht – so lange, wie's Spaß macht; mehr Beschäftigung/Zerstreuung als echtes Puzzle).

Schmidts Freude am Schargong. Schmidts Blicke durchs Miljö.

Weiterlesen

hallo, wahrheit? eine enthüllung.

 

In einem der erfolgreichsten Filme der Fünfziger Jahre verkleiden sich Jack Lemmon und Walter Matthau als Nonnen und schmuggeln sich ins Konvent einer blutjungen Ordensschwester, gespielt von Marilyn Monroe. Der Film heißt "Mönche mögen's heiß" und ich war fünf, sechs Jahre sicher, dass er existiert. Wie oft "las" ich diesen Filmtitel in den serifenlosen, selbstbewussten Buchstaben der TV Movie-Filmkritiken? Immer "Mönche". Nie "Manche".

Weiterlesen

hallo, twitter. ein denkzettelkasten.

 

Ich brauche einen grünen, dicken Leuchtstift, wenn ich lese. Pink und Orange gehen auch, doch Blau wird schwierig, das druckt durch – und Neongelb ist nutzlos, weil es unter Kunstlicht beinahe verschwindet: Man findet die Markierungen nur noch bei Tageslicht.

Bei gutem (oder fürchterlichem) Stil setze ich ein S an den Rand.

M steht für "Motiv". R für "real"/autobiografisch. P für Poetik.

FS ist "Foreshadowing" und Ü "Übersetzung".

Dazu gerne Smileys – frohe, wütende, schockierte und bedröppelte, mit Frage- und Ausrufezeichen.

Wie lange kann man ein Buch erinnern? Vier Jahre in Details? Zehn Jahre im Groben?

Weiterlesen

hallo, spekulation? ein erster blick.

‚“Ich mache jetzt nur noch Scheiße“, wird Arno Schmidt in einem Tagebucheintrag seiner Frau zitiert; gemeint sind: journalistische Texte für Zeitungen.‘

…das ist der erste Satz des Klappentexts von Dietmar Daths „Heute keine Konferenz“, einer Sammlung Daths eigener FAZ-Artikel. Es ist ein guter Anfang für Daths Buch, und es ist ein guter Anfang für jemanden (mich!), der Arno Schmidt nicht kennt: Dann war er also verheiratet. Und hat für Zeitungen geschrieben. Und hatte Humor. Gut. Gut zu wissen. Ich wusste es noch nicht. Im Ernst: Mir ist das neu. Ich weiß nichts über Arno Schmidt.

Weiterlesen