PopSchmidt, Schluß; oder: Was hat ZT mit „Eve of Destruction“ zu tun?

In „Zettel’s Traum“ kommt alles entweder „irgendwie“ vor oder ist zumindest „irgendwie“ damit verknüpft (= verknüpfbar). Also:

Ganz am Ende, auf den Seiten 1492-93 (klingt wie die Entdeckung Amerikas) der Neuausgabe, wird rechts am Rand von zwanzig bis null runtergezählt, „Ignition“ und „Lift off“ könnte uns dazu einfallen, aber das hat Schmidt „einfach nur“ aus „Finnegans Wake“ geklaut, nämlich vom Ende jenes Kapitels, das Joyce dreispaltig angelegt hat. (Nö, Zufall ist das nicht.) Die Mittel- gleich Hauptkolumne endet mit einer geöffneten, aber nicht wieder geschlossenen Klammer: „(: ›Excellenz fliegn am ganzn Leibe!‹ . . .“; das ist, wie Schmidt-Veteranen natürlich wissen, ein Zitat aus Otto Nebels „Zuginsfeld“. Und zwischen diesem Nebelzitat und dem Countdown, in einer Zwischenspalte, steht eine weitere Klammer, diesmal eine geschlossene: „( : No wheel to my wagon. Still I’m rowling along. )“ Weiterlesen

ZT habe ich vor 40 Jahren gelesen…

ZT habe ich vor 40 Jahren gelesen, liegend, jedesmal den Beginn und das Ende der Lesezeit mit hauchzartem Bleistift vermerkend. Und den BB habe ich noch immer abonniert. In den vier Jahrzehnten sind gewaltige Romanweltreiche zu meiner Lesebiographie hinzugekommen. Um nur die (in alphabetischer Reihenfolge) zu nennen, die für mich noch heute Maßstäbe setzen: Roberto Bolano, (Jorge Luis Borges, dessen Werk sich zu den großen Romanen verhält wie die negative Theologie zur „positiven“), Heimito von Doderer, Albert Paris Gütersloh, A.F.Th. van der Heijden, (jetzt gerade Haruki Murakami mit „1Q84“), Vladimir Nabokov, Wolf von Niebelschütz, Thomas Pynchon, Albert Vigoleis Thelen – von den Klassikern ganz zu schweigen. Da fällt es mir nicht leicht, abermals wieder die roten Ohren zu bekommen. Und dann ist da plötzlich doch etwas da, schon auf der zweiten Seite des „Schauerfeldes“: „Kühe & Wolken: Sinnbilder voneinander“. Sinnbilder mithin, nicht einfach nur klecksographische Parodien, sondern: Embleme! Auf solche nanopoetischen In(ter)ventionen beginne ich mich zu freuen.

Hermann Wallmann, geboren 1948 in Rheine/Westfalen; Studium der Germanistik, Theologie  und Erziehungswissenschaft in Münster. Seit 1974 Gymnasiallehrer in Münster-Wolbeck. Literaturkritiken, Aufsätze. Seit 1998 Mitglied im P.E.N. Zentrum Deutschland.

Rassismus bei Arno Schmidt

Andreas Platthaus und Stefan Mesch sind in ihren letzten Diskussions-Beiträgen auf einer wichtigen Spur. Sexismus, reaktionäre Stammtischparolen und rassistische Ausfälle begegnen dem Leser bei Schmidt, als verstörende Tiraden neben gewissermaßen 'antideutschen' Statements gegen die nationale Politik von Adenauer & Co., wie ich sie in meinem letzten Posting bereits anzitierte, auf Schritt und Tritt. "Hat sich die Schmidt-Philologie dieser Peinlichkeit angenommen?", fragt Platthaus herausfordernd. Selbstverständlich hatte sie bereits zu Schmidts Lebzeiten daran zu 'knacken', wie es etwa auch die ersten "ZT"-Lektüre-Notizen von Jörg Drews belegen, die wie gesagt im kommenden "Bargfelder Boten" (BB) in Auszügen nachzulesen sein werden, in den mich Rathjen netterweise schon einmal hineinlinsen ließ.

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