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Schreiben ist Arbeit, ist Dienst und Fron. Das Werk als megalomanes Grab. Ein buchstabiles Gegengewicht zur verlorenen Lebenszeit, die Brotberuf und Krieg für Arno Schmidt im nachhinein bedeuteten. Doch diese Hoffnung ist nur ein Witz. Dazu ist der Schacht zu tief, der Zwang zu deutlich. Wie durchsichtig das im Schreiben wird, ist zugleich der Zugang für die Lektüre.

Am 20. Januar 1967 schreib Arno Schmidt in einem Brief an Hans Wollschläger:

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hallo, literaturkritik? ein cluster.

 

Arno Schmidt ist 'der Intellektuelle als Proletarier', Arno Schmidt ist 'ein Schuss reiner Energie' und 'der kühnste Pionier der neuen deutschen Epik', Arno Schmidt ist 'einer der wenigen echten Nachfahren der Romantiker', Arno Schmidt ist 'Moralist', Arno Schmidt ist 'groß', Arno Schmidt ist 'ein monumentaler Ich-Sager' und 'die Verweigerung, sich an eine Ordnung zu halten', Arno Schmidt ist 'eine Präsenz, keine ganz angenehme, aber entschieden originell und kühn'.

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hallo, ekliges deutschland? schmidts „seelandschaft mit pocahontas“

 

Erzählung. Erschienen 1955.

79 Seiten (S. Fischer-Ausgabe, Frankfurt am Main 2001)

Figuren / Plot:  Wikipedia (Link)  |  Goodreads (Link)

Mein zweites Buch von Arno Schmidt.

Arno Schmidt "macht es dem gutwilligen Leser sehr leicht, wenn nur die Hemmschwelle erst überwunden ist. Dann ist Schmidt witzig, spannend, amüsant, unterhaltsam und belehrend; subtil und doch bodenständig; weder feinsten Sprachspielen noch gröbsten Kalauern abgeneigt; ein umgänglicher Avantgardist", bloggt André Möller hier (Link).

Es stimmt: Schmidt ist kein "schwerer" Autor; das Schmidtlesen macht wenig Mühe, der grüne Leuchtstift hat sehr viel zu tun, denn jeder Satz ist ein Bild. Ein Scherz. Eine Gedankenpirouette. Ein Verweis. In jede Richtung darf man graben, aber aus keiner kommt schweres Geröll, in dem man stecken bleiben muss.

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Arno Schmidt und der Rassismus. Und der Sexismus. Und. Und. Und

„Zettel’s Traum“ gibt Bilder von den Bewegungen des Geistes.
Der Geist ist unser Denken und unser Fühlen. Vor allem ist er unser Fühlen. Unser denkendes Fühlen. Also unsere Gier. Unsere Begierden. Unser Neid. Unsere Mißgunst. Unser Abscheu. Unsere Angst. Unsere Schwermut. Unsere Vorurteile.
Viel seltener ist unser denkendes Fühlen Leichtigkeit. Frohmut. Zuneigung. Gelassenheit. Genügsamkeit.
Und dieser Geist. Dieses denkende Fühlen ändert sich unablässig. Sogar wenn es sich festgefressen hat in der Schwermut womöglich ändert es sich unablässig.
In „Zettel’s Traum“ nun ist dieses unablässige Denken und Fühlen des Geistes in Worte und Zeichen gesetzt. Die Bewegungen des Geistes überlappen sich. Verzweigen sich. Verengen sich. Weiten sich. Und strömen unablässig weiter.

Zu den Bewegungen unseres Geistes gehört so manche Gehässigkeit Gemeinheit Bösartigkeit. Wir sprechen sie nicht unbedingt aus. Wir strahlen sie vielleicht nur aus.
Bei Arno Schmidt nun gibt es gehässige gemeine böse Sätze. Und schmerzhaft entblößende Sätze. Aber so ist unser Geist. So ist unser denkendes Fühlen.
Worüber könnten wir uns empören.

hallo, mehrwert? eine auswahl.

 

Arno Schmidt schreibt in "Seelandschaft mit Pocahontas" über das Lesen:

"Im Leben kann man höchstens 100 Autoren richtig kennenlernen, mehr Zeit hat man nicht…"

Er fordert auf, schlechte und unwichtige Autoren wegzulegen. So schaut der Ich-Erzähler Joachim, ein ärmlicher Schriftsteller und Weltkriegsveteran, "seinem Mädchen" kurz dabei zu, wie sie ein frommes Büchlein liest, das (reale) "Gott weiß den Weg" von Günther Schmieder.

"und ich schlug misstrauisch auf : '… wie eines atmend Fischlein Kiemen …..' owehoweh !"

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Der große Dichter-Priester auf der Buchmesse

Wer wäre in der Gegenwartsliteratur als astreiner Prototyp jener Schriftsteller zu benennen, die Arno Schmidt in "Zettel's Traum" als "Dichter-Priester" (DP) so ausführlich vorführt? Das sind laut Daniel Pagenstecher jene Autoren, die mit dem "Zweiten Gesicht" kokettieren und in ihren Texten voller "gezierten Bombasts" und antimoderner Ressentiments auf die poetische "Intuition" schwören. Also auf etwas, das laut Pagenstecher "überwunden werden sollte" als "1 der niederen Stufen dumpf=unbewußter Fuscherei". Und zwar deshalb, weil diese Herren den Geist am allerliebsten ganz aufgeben und nur noch "automatisch schreiben" wollten, da "der echte Genius ja nicht wissen dürfe, wie die Einfälle" in ihrem "bißchen Schädel entstehen" (Typoskript-Ausgabe, Seite 16).

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