„Wie fang ich nach der Regel an?“

"Ihr stellt sie selbst und folgt ihr dann.

Gedenkt des schönen Traums am Morgen:

fürs Andre laßt den Schmidt nur sorgen."

Hans Sachs bei Wagner, Meistersinger, III.

 

Die Frage ist wirklich, wie fang ich an. Sie ist um so freier, als ich noch gar das Bücherl nicht habe. Das liegt bei Suhrkamp am Empfang. Ich gehöre zu den wenigen, die den Umzug nach Berlin, zwar auch schon deshalb, aber sowieso für angemessen halten. Und für pfiffig, unternehmenspolitisch gesehen. Was die Talare anbelangt, so darf der Staub in Frankfurt bleiben. Jedenfalls habe ich auf dem Fahrrad einen Einkaufskorb, der das Broschürchen auch faßt.

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Ideologiekritik

In der Buchmessen-Ausgabe der österreichischen Literaturzeitung "Volltext" lobt Alban Nikolai Herbst unter dem reißerischen Titel "Adel, der aufrecht blutet" das literarische Werk des demokratiefeindlichen Monarchisten Wolf von Niebelschütz, anlässlich einer Neuausgabe zweier Romane dieses dubiosen Autors im Zürcher Verlag "Kein & Aber". Thema ist in Herbst ausführlichem Essay unter anderem der angeblich tabuisierte "Heimatverlust" der "unmittelbaren Kriegsgeneration", den Niebelschütz zu Recht beklagt habe, und der wohlwollende Rezensent zitiert denn auch dröhnende Niebelschütz-Verse wie diese von 1946:

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Muh=Muh=MuxjánichDu!

Schau, die Anna macht Muh=Muh.

Also, zuerst kommen natürlich der Herr König, dick umstickt von einem Harem x-chen, dann vorerst letzte Religionsleute, fangen sich einen Fisch oder verzehren die letzten Pärchen irgend einer Art, und dann vögeln sich alle von hinten und vorne durch ihre Annas und die Jahrtausende.

Das war ja vielleicht ECHT WICHTIG, das zu sagen, damals. Dass sich letztlich alle nur durch ihre paar Jahre vögeln, und weiter nichts. Kann ich mir zwar nicht vorstellen jetzt, aber mag ja so gewesen sein.

Und „unsere“ Anna macht Muh=Muh.

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Zettel & ich — Beim Arzt (HNO)

Gestern morgen aufgewacht mit Geräusch im Ohr. Oszillierende Satzzeichen. So was halt. Zum HNO gegangen.

Freitag und natürlich kein Termin. Wartezimmer proppenvoll. Zettel’s Traum komplett im Schuber auf das Tischchen in der Mitte des Raumes, auf die Galas und das Neue Deutschland gelegt. Danach so getan als ob ich schliefe. Ziemliche Unruhe bei den Patienten. Aber keiner traute sich den Zettel runter zu nehmen. Tss, tss – immer diese Ehrfurcht vor dem Schmidt!

Hinten rum haben die sich natürlich beschwert bei der Schwester. Gedrängelt, dass ich schnell untersucht werde. Zettel sei dank.

Arzt entdeckte dann tatsächlich Semikolon im Mittelohr. „Nischt schlimmet“ meinte er, soll nur eine Woche lang nix mehr aus dem Zettel deklamieren.

Norbert Zähringer, 1967 in Stuttgart geboren, wuchs in Wiesbaden auf. 2001 erschien sein Roman “So”. 2006 veröffentlichte er “Als ich schlief”, 2009 folgte sein dritter Roman “Einer von vielen”. Norbert Zähringer lebt mit seiner Familie in Berlin.

Milk’s a queer arrangement

Auch ich bin einst an der Hand eines freundlich bevormundenden Reader's Guide durch "Finnegans Wake" (übrigens lustig: da, wo bei Joyce kein Apostroph steht, steht bei Schmidt einer… "Zettel's Traum") marschiert und habe mich dennoch nicht ausgekannt, ein Kapitel nach dem anderen zog vorüber und kaum irgendetwas blieb in mir hängen – bis zum X. Kapitel. Da habe ich die Hand des Guides loslassen können und bin allein weitergegangen. Wow, ich verstehe Finnegans Wake!, habe ich gedacht, bis das Kapitel aus war – ab da war alles wieder beim alten, unverständlich und unendlich kompliziert und unfair und und und. 

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