4D-Körnchen

Aber wie der Schmidt-Text die Schrift, oder wenigstens die Substantiv-Schrift, als etwas Vierdimensionales herzeigt. (Unter all dem Geraune über ‚die Schrift’ und ihre Abwesenheiten: auch mal Ernst gemacht damit.)

Buchstaben klauben – da fehlt doch was – Einsatz Kopfstimme – da fehlt doch was – Bild, Bilder, kippeln – zurück auf Los oder Absprung.

Das hat was, für mich, wie aus diesem Gummiband zwischen unlöslichem Aussprechen und Hingeschriebenem die Bilder und Sprechs wie kleine Hologramme herausschießen.

Vor allem ist es keine schlechte Handhabung der Zeit. Wie die Körnchen ins filmische/dramatische Verstreichen gestreut werden. So dass sich die Zeit zu kleinen Schleifen, Schlaufen biegt, über einem Wort als dem Gewackel zwischen Schreib und Sprech und Mals dir aus.

Vielleicht ist von da her mein erster Impuls gekommen: ich hätte lieber die Zettel als den gesetzten Traum. Dann hätte man nur diese Körnchen und würde sich einiges sparen können. Und wäre freier in der Wahl der Distanz.

Und man könnte von den Zetteln kommend kleine digitale Installationen basteln, morphende loops. Könnte man aber so natürlich auch, wenn man könnte; oder wollte.

Kommentare
  • Giesbert Damaschke 18. Oktober 2010 at 11:43

    Ich fürchte, die Zettel bringen überhaupt nichts. Wer mal einen Blick darauf werfen will – die Stiftung publiziert regelmäßig den „Zettel des Tages“. Aktuell ist man bei Nummer 2634, alle bisher publizierten Zettel sind unter dem Menüpunkt „Archiv“ verfügbar: http://www.arno-schmidt-stiftung.de/Zettel.html

    • Anja Utler 20. Oktober 2010 at 08:12

      Stimmt wohl! Trotzdem danke für den link.

  • Norbert W. Schlinkert 19. Oktober 2010 at 08:56

    An anderer Stelle http://www.goldmag.de/2010/10/verlage-im-internet-unendliche-zettel/ , und da zitiere ich mich mal selber, schrieb ich kommentierend, ausgehend davon, daß viele der den neuen ZT besitzenden Autoren nichts beizutragen haben, während Nicht-ZT-Besitzer ihre Gedanken nicht recht andocken können:

    „Besonders da von den ausgewählten Autoren sich über die Hälfte nicht zu Wort meldet, während die übrigen, von wenigen Ausnahmen, u.a. Ann Cotten, abgesehen, nicht eben viel zu sagen haben. Natürlich sind auch Bilder und Gedichte und überhaupt alles Poetische nett, doch was soll man (als Leser) dazu sagen. Und sagen soll man doch was, oder? Immerhin ist inzwischen ein ganz klein wenig Zunder hineingekommen. Nun ja! Vielleicht ist es aber auch so, daß Arno Schmidt inzwischen zu den vergessenen Autoren zu rechnen ist – hat nur keiner gemerkt!“

    Natürlich hat niemand seine Zeit gestohlen, doch da man Zeit ohnehin nicht haben kann, sondern, wer wüßte es nicht, sich nehmen muß, gehe ich von einem gewissen Desinteresse gegenüber Arno Schmidt und vor allem gegenüber einer übergreifenden Diskussion aus. Das ist schade, vor allem, da auf schauerfeld.de Schriftsteller und Wissenschaftler (Kritiker lassen wir mal raus) eine gemeinsame Diskussionsebene finden könnten, die exemplarisch für Blogs wie diesen wäre. Mit dieser Ansicht dürfte ich mit Alban Nikolai Herbst d’accord gehen, er schrieb so etwas an mir nicht auffindbarer Stelle. Auch Felix Lüttge geht in dem oben genannten Artikel darauf ein. Bisher ist es, und da spreche ich aus eigener Erfahrung, ja zu häufig noch so, daß sich die Protagonisten der jeweiligen Sphäre Wissenschaft und Literatur einfach viel zu wohl in derselben fühlen. Man kennt sich, man mag sich, man hasst sich, ach wie heimelig! Schön wäre es, wenn Ansätze wie etwa im hildesheimschen Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft sich in lebendigen Diskussionen im Netz widerspiegelten, in denen mit einer gewissen Risikofreudigkeit (auch mal falsch liegen zu können, Dinge mißzuverstehen etc.) über „Grenzen“ hinweg kommuniziert wird. Das Argument des Sokrates für das mündliche Gespräch und gegen die Schriftlichkeit, ein Buch bzw. ein Text kann dem Einwände erhebenden Leser nicht antworten, ist zwar nicht aufgehoben – dennoch ist es durch das www nun möglich, eine dritte und in „alten Zeiten“ durch brieflichen Verkehr gebildete Kommunikationsebene gleichsam neu entstehen zu lassen. Meinetwegen können da auch die Kritiker mitmischen, bevor es wieder zu nett wird.

    • massenbach 19. Oktober 2010 at 12:15

      Vielleicht sind die restlichen Noch-Nicht-Beiträger gar nicht so untätig und tun schlicht das, wozu dieser blog einlädt und auffordert: Sie lesen „Zettel’s Traum“ – und zwar nicht nur bis zur Zinnbecherseite sondern durchs ganze erste Großkapitel hindurch, möglichst bis weit hinein in das zweite Großkapitel und vielleicht noch weiter bis zu Dän’s Cottage … um dann, lektüregesättigt und lektüreerfahren, Beiträge mit Bodenhaftung und Substanz zu verfassen. Um solche Beiträge hier zu lesen, bin ich gerne bereit, noch eine Weile schauerfeld-Stillstand in Kauf zu nehmen.

    • Anja Utler 19. Oktober 2010 at 17:56

      Lieber Herr Schlinkert, wenn ich Ihre Anmerkung richtig lese, haben Sie wenig Zeit, möchten aber trotzdem hier nichts verpassen. Das verstehe ich. Deshalb folgendes Versprechen: die Deutung des Großen und Ganzen kommt unter meinem Namen nicht mehr. Dafür sind andere da; und es kommen, da bin ich ganz sicher, noch welche dazu; und das ist ja auch wunderbar. Von mir aber werden weiter diese kleinen Attraktionen, Aberrationen, Abstoßungsreaktionen des Leseprozesses kommen. Und sonst nix. Könn‘ Se sich die Lektüre also sparen. Ich wünsche viel Vergnügen in Ihrer, hoffentlich so erwirtschafteten quality time!

      • Norbert W. Schlinkert 20. Oktober 2010 at 08:41

        Liebe Frau Utler,
        ich warte sicher nicht auf die Deutung des Großen und Ganzen, ich hätte nur gerne eine Diskussion über Arno Schmidt, am liebsten über die Fragen, die ich hier in meinen Kommentaren bereits angerissen habe. Das heißt aber nicht, auch wenn ich mich zwecks Befeuerung der Kommunikation ein wenig krass ausgedrückt habe, daß ich die poetischen Beiträge nicht haben will – ganz im Gegenteil. Ich werde mir die Lektüre Ihrer Beiträge also nicht sparen! Da ich selber in diesem Rahmen aber nicht poetisch auf ZT (mangels Vorhandenseins der neuen Ausgabe) reagieren kann (täte ich ja gerne), verlege ich mich eben auf die andere Möglichkeit, denn so scheel das auch beäugt wird, ich arbeite in beiden Bereichen, als Kulturwissenschaftler mit strikter Hinwendung zur Literatur und als Schriftsteller, trotz aller Kommunikationsprobleme, trotz der oft auftauchenden Mißverständnisse und dem Unverständnis auf beiden „Seiten“. Und mit dem Passus, niemand habe seine Zeit gestohlen, ist natürlich nicht gemeint, ich selber nähme (stähle) sie mir nicht (würde ich sonst hier oder auch überhaupt literarisch schreiben, wo doch sonst so viel Geld und Anerkennung zu ernten ist?); ebenso wenig ziele ich auf die, die hier Beiträge liefern. Wenn die Gruppe derjenigen, die sich nicht zu Wort melden, immer kleiner wird, um so besser!

        • Guido Graf 20. Oktober 2010 at 09:33

          um des besseren Verständnisses willen, möchte ich nur darauf hinweisen, dass es auf schauerfeld.de keinen Schreibzwang gibt: die eingeladenen Autoren haben die Freiheit, so oft oder so selten zu schreiben, wie sie wollen; natürlich sind alle neugierig, was X oder Y zu Zettel’s Traum zu sagen haben, die das bislang noch nicht getan haben, aber ich fände es doch ganz schön, solche Neugier nicht mit eine Bringschuld zu verwechseln –

          • Norbert W. Schlinkert 20. Oktober 2010 at 10:09

            Lieber Guido Graf,
            natürlich sollte keiner gezwungen werden, etwas beizutragen – was sollte dabei schon rauskommen? Mir ging es darum zu betonen, daß es schön wäre, wenn sie es täten! Dies vor allem, weil das Aufeinanderprallen von Schriftstellern unterschiedlichster Ausrichtung mit Wissenschaftlern ebenfalls unterschiedlichster Prägung sehr fruchtbar sein könnte, selbst wenn man sich da keine übertriebenen Hoffnungen machen sollte.

          • kopfpilz 20. Oktober 2010 at 13:32

            Nun bin ich irritiert, Herr Graf. Wenn keine Bringschuld, ein(e) Bring welcher Art denn dann? Bringwunsch, Bringhoffnung? Gelegentlich war zu erfahren, dass Suhrkamp den in der Übersicht genannten Personen ein Exemplar von ZT zur Verfügung gestellt hat. Bei 55 Personen und grob 200 Euro gebundenem Ladenpreis ergibt sich ein Marktwert von rund 11.000 Euro. Da ich über die Produktionsbedingungen des Buches nichts weiß, vermute ich einmal, dass Suhrkamp hier erheblich in Vorleistung getreten ist. Verglichen damit dürften die Kosten, die der Betrieb dieses Blogs Suhrkamp verursacht, vernachlässigbar sein. Aber wofür nimmt Suhrkamp diese Kosten in Kauf? Für die Nennung von 55 Namen und die Hoffnung auf Wortmeldungen durch ein paar der Beschenkten? Wieso werden die 55 Personen als „Autoren“ in diesem Blog geführt, wenn sie nicht als Autoren aktiv sein sollen – wenn auch ohne Zwang? Die Schlinkert-Kritik scheint mir so unbegründet nicht.

          • Guido Graf 20. Oktober 2010 at 14:36

            Zettel’s Traum in seiner gesetzen Form könnte – das zumindest wäre meine Hoffnung – eher zum Gegenstand von Lektüren werden als zum Objekt der Begierde, zum Fetisch oder zur Projektionsfläche – wie das noch häufig mit der Typoskriptversion geschehen ist. Die Arno Schmidt Stiftung und der Suhrkamp Verlag unterstützen schauerfeld.de, um einen öffentlichen Austausch über solche Lektüren zu fördern. Das kann man gut heißen, muss es aber natürlich nicht. Gleichfalls bedarf es aber auch keiner weitergehenden Rechtfertigungen. Zweifellos wecken die Namen der gelisteten Autorinnen und Autoren Erwartungen. Das ist ja auch ganz gut so. Aber niemand kauft oder verkauft hier irgendwelche Leistungen. Jedem Autor und jeder Autorin, ob sie nun schon geschrieben haben oder noch nicht, gebührt genauso Respekt wie denjenigen, die sich über die Kommentare beteiligen. Sie machen es allesamt freiwillig.

        • Anja Utler 21. Oktober 2010 at 10:25

          Nein, nein, liebe Frau, lieber Herr kopfpilz, lassen Sie sich da von dem freundlichen Herrn Graf nicht drausbringen. Der nimmt hier natürlich seine Autorinnen und Autoren in Schutz. Sie haben einen Verdacht: dass sich einmal mehr Leistung in Deutschland nicht lohnt. In diesem Fall für den Suhrkamp-Verlag. Der von 55 Autoren in einer konzertierten Aktion ausgenommen wird. Die schieben 200 Euro in Form bedruckten Papiers ein und tun nichts dafür! Die einen schweigen. Stauben ihre Bücher ab. Die andern liefern ein Zeug ab, aus dem sich nur ein Schluss ziehen lässt: hier wurde nicht die erforderliche Mindeststundenzahl an Zettels Traum zugebracht! Die grinsen sich eins. Haben, am Ende, Spaß – Einen 200-Euro-Besinnungsaufsatz hat man jedenfalls noch keinen gesehen. Vielleicht würde Zettel’s Traumerzähler sogar sagen: es ist Ihre Pflicht, diesem Verdacht weiter nachzugehen! Ein Alternativvorschlag wäre: Schauen Sie sich lieber Hanno Millesis Popp-Posting an! Unbezahlbar. Und das schenkt der uns! Einfach so.

          • Giesbert Damaschke 21. Oktober 2010 at 23:17

            da fällt mir der Schluss von „Piporakemes“ ein:

            …………….
            Allgemein habe er dann noch kritisiert, wie das – seiner Ansicht nach wichtigste – Problem überhaupt nicht berührt worden sei: »’s Honno=rar natürlich! Das’ss ooch so was, was die Verleger nie lern’n: wenn se 3 Tausnd Mark für ’ne Übersetzunk blechn, kriegn se ’ne 3=Tausnd=Mark=Übersetzunk; wenn se 6 Tausnd schmeißn, eene für 6 Tausnd: dann kann ich neemlich de doppelte Zeit dran wendn!«. Auf das vorsichtige Bedenken seines – verständlicherweise ungenannt bleiben wollenden – Bekannten: daß die meisten ‹Künstler› unter sotanen Umständen dann eben wohl doch nur die für 3 herstellen, und für die übrigen 3 schlicht faulenzen würden: ob die Gefahr nicht nahe läge?, habe er kaltblütig erwidert: die läge freilich verdammt nahe.
            ……………

  • Norbert W. Schlinkert 19. Oktober 2010 at 12:27

    Das wäre schön! Wenn das Vielleicht durch ein Sicherlich ersetzt werden könnte und tatsächlich Beiträge mit Bodenhaftung und Substanz, die es ja auch schon gegeben hat, auftauchten. Auch ich bin gespannt!