Feld der Schrecken – kleine Presseschau am Sonntagabend

In der „Süddeutschen Zeitung“ hat Georg Klein am Samstag einen autobiografischen Vortrag über den (im Text origineller Weise nicht explizit genannten) „berühmten“ Roman „Zettel’s Traum“ publiziert, der mit der Feststellung endet, er, Klein, halte die im Buch verteidigte Etym-Theorie (auch sie wird im Artikel allerdings nicht genauer benannt) für einen „rechten Budenzauber“.

Als sei es ein Seitenhieb auf „schauerfeld.de“, erwähnt Klein zu Beginn seines Essays, die Hauptfigur des erwähnten Romans übersetze das Schauerfeld, auf dem die Handlung von Schmidts Riesen-Text bekanntlich einsetzt, ins Lateinische als „Campus horrorum“, wobei der Protagonist wohl darauf spekuliere, dass Leser, die Latein könnten, dies sogleich als „Feld der Schrecken“ ins Deutsche zurück übersetzten. Nicht unwitzig – denn wer will den himmelschreienden Quatsch, der hier bisher so ‚gebloggt‘ wurde, eigentlich noch lesen?

„The horror, the horror“: Im Zug von Tübingen nach Marburg las ich dann vorhin jedenfalls noch die aktuelle „ZEIT“, und stieß im „Magazin“ des Blattes, das seinen 40. Geburtstag feiert, auf die notorische Glosse von Harald Martenstein. Siehe da: Der beliebte Kolumnist wehrt sich gegen einen empörten Leserbrief einer Gender-Theorie-Studentin, die sich darüber beklagt, dass Martenstein in seinen Texten nichts als „Altherrenwitze“ loslasse. Ich möchte das hier jetzt nicht weiter kommentieren, sondern nur folgende Beobachtung mitteilen: Martenstein tendiert „zu der These, dass der verfallende männliche Körper bei sinkendem Testosteron-Spiegel einen humoraffinen Ersatzstoff produziert, Altherrenhumor ähnelt der Angstblüte absterbender Bäume. Flösse nicht so viel Geld in den Gender-Hokuspokus, könnte man dies erforschen“.

Mal abgesehen von dem haltlosen antifeministischen Geblödel: Kann mal einer dem guten Mann erklären, dass er bloß „Zettel’s Traum“ zu lesen bräuchte, um all das ausführlichst ‚erforscht‘ zu finden, was er im Gegensatz zu Georg Klein offenbar immer noch für eine Super-These hält? Oder war der Einfall bei Martenstein auch nur als verstecktes, humoristisches Zitat für Insider gedacht?

Kommentare
  • Giesbert Damaschke 19. Oktober 2010 at 22:07

    Der Text von Georg Klein kann übrigens im Netz nachgelesen werden.

  • kopfpilz 20. Oktober 2010 at 14:29

    „Mal abgesehen von dem haltlosen antifeministischen Geblödel: Kann mal einer dem guten Mann erklären, dass er bloß “Zettel’s Traum” zu lesen bräuchte, um all das ausführlichst ‘erforscht’ zu finden, was er im Gegensatz zu Georg Klein offenbar immer noch für eine Super-These hält?“

    Vielleicht interessiert dies H.M. gar nicht, weil er das Phänomen nicht wirklich erforscht wissen, sondern nur der Gender-Forschung Mittel gekürzt wissen will.