Muh=Muh=MuxjánichDu!

Schau, die Anna macht Muh=Muh.

Also, zuerst kommen natürlich der Herr König, dick umstickt von einem Harem x-chen, dann vorerst letzte Religionsleute, fangen sich einen Fisch oder verzehren die letzten Pärchen irgend einer Art, und dann vögeln sich alle von hinten und vorne durch ihre Annas und die Jahrtausende.

Das war ja vielleicht ECHT WICHTIG, das zu sagen, damals. Dass sich letztlich alle nur durch ihre paar Jahre vögeln, und weiter nichts. Kann ich mir zwar nicht vorstellen jetzt, aber mag ja so gewesen sein.

Und „unsere“ Anna macht Muh=Muh.

Und das zu sagen ist überflüssig. Denn das, und Reihungen vergleichbarer Qualität, sagen sie alle. Dazu brauche ich keinen Erzähler. Das ist dumm genug für den Alltag. In dem es immer wieder gern gesagt worden ist, damals, und noch davor und jetzt auch wieder. Also wozu schon wieder; und in der ersten Zeile eines Buchs.

Der Autor sagt, im Begleitheft vom Verlag: „ZETTELS TRAUM mußte ein zu zwei Dritteln humoristisches Buch werden.“ Sicher; mit diesem Personal und, vor allem, dieser Perspektive. Was sonst.

Dann wäre die Muh=Muh-Anna, Anfang und Ende aller Noah-Könige, also ein Witz? Echt? Ein satter Schenkelklopfer vielleicht.

Warum fängt der sein Buch so an? Das ist es ja: das ist nicht irgend eine; es ist die erste Zeile. Wie ist der zu einer solchen Entscheidung gekommen? Und wie gelange ich zu der Entscheidung, ein solches Buch weiter zu lesen?

Ich denke daran, dass der Verlag es mir geschenkt hat. Kann es ja zurückschicken.

Auf einer anderen Spur sage ich mir: aber schau. Schau wie die Mimik aus dieser Zeichensetzung herausspringt! Wie diese Gesichter und Körper, aus ihrem spärlich ausgestatteten Bühnenraum hervortreten, wie beweglich die sind und wie ungeheuer klar der ihre Rede in die Schrift gezeichnet hat. Das gibts ja auch nicht so oft. Was für deutliche Stimmen!

Ja. Und was für welche. Es ist das selbstherrliche 50er-Jahre-Personal, das durch die Ränder und manchmal auch durch die Mitte meiner Kindheit geschritten und stolziert und marschiert ist. Die auch schon die 30er und 40er-Jahre-Herrschaften gewesen waren. Nicht mit diesem Bildungsgrad, gewiss nicht, nicht mit Poe, natürlich nicht, und trotzdem sprechen diese Herrschaften so deutlich aus diesem Text, dass es mich gruselt.

Aber ist das nicht ein Verdienst?

Gewiss. Nur: muss ich mir diese MuxjánichDu!-Herrschaften wirklich nochmal anhören?

Wenn sie doch entlarvt werden? Sie werden doch entlarvt? Bestimmt. Ja? Und genau da bin ich mir nicht sicher – wo das doch der entscheidende Punkt wäre: was für eine Stimme ist der Erzähler? Ebenfalls eine MuxjánichDu!-Stimme? Sodass – und dabei spielt keine Rolle, wie weit er sich drüber setzt – ein geschlossenes System entsteht? Oder einer, dessen Stimme auch Brüchigkeit und Transparenz kennt, so dass etwas aus ihr über die paar Jahrzehnte rüber sickern könnte?

Das Muh=Muh=Muxjánich ist im Moment einfach noch ziemlich laut.

Kommentare
  • Ann Cotten 11. Oktober 2010 at 23:06

    Im besten Fall rübersickern? 
    Diese Stimme – in ihrer Logik möchte sie verschwinden, ganz durchlässig sein für Eindrücke, Wissen, Idiom, Wesen (?!), getrübt nur vom Urin ihres Humors. Doch wie ein Oberlehrer, der zu kindisch ist, um richtig spielen zu können, sehen wir, kaum ist der Autor im Gebüsch untergetaucht, die verdächtigen Umrisse einer Hornbrille durch denselben stieren. 
     
    Er häuft an, um durchzusickern. Ein neues Wasserpurifikationssystem ist erfunden. Die Fünfziger Jahre sind nicht mehr Wirklichkeit, sondern Literatur! Durch den Dreh der Kristalle wird aus Flüssigkeit gesunde Flüssigkeit. Durch die Kuh wird das Gras Kuh und Milch; durch den Ochsen wird es nur Ochse.
    Schmidts Stimme saliviert, rinnt, tröpfelt, ja (an hellen Tagen) plantscht. Meinetwegen.
     
    Will Dir nur zustimmen, Anja, ich weiß nicht, wer man sein müsste, um danach zu dürsten.
     
    Um den Ochsen zu essen, schneide man ihn in dünne, fast durchsichtige Scheiben und brate diese Stücke mit eigenem Feuer und den Kräutern aus aller Welt, die die Dumpfheit des ultraindigenen Fleisches ausräuchern und eventuelle Fasern aufscheinen lassen.