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Schreiben ist Arbeit, ist Dienst und Fron. Das Werk als megalomanes Grab. Ein buchstabiles Gegengewicht zur verlorenen Lebenszeit, die Brotberuf und Krieg für Arno Schmidt im nachhinein bedeuteten. Doch diese Hoffnung ist nur ein Witz. Dazu ist der Schacht zu tief, der Zwang zu deutlich. Wie durchsichtig das im Schreiben wird, ist zugleich der Zugang für die Lektüre.

Am 20. Januar 1967 schreib Arno Schmidt in einem Brief an Hans Wollschläger:

„Was ZETTELS TRAUM anbelangt, so sind 2.000 Seiten fertig, (dh im Rohentwurf; der aber notfalls auch schon einen recht leidlichen Begriff gäbe, (ich hab ihn ziemlich sorgfältig durchgeackert)); da er jedoch im Ganzen 5.000 bekommen wird, sind noch weitere 2 Jahre nötig. (Und dann noch womöglich eine ‚Reinschrift‘!). Überdem werden unlängst (fürcht ich!) auch wieder Brotarbeiten einzuschalten sein; (war’s doch ohnehin wunders genug, daß ich anderthalb Jahre so pausenlos daran schuften durfte) – man schwâfelt so gern & viel von buddhistischer Ascese oder Acta Sanctorum plus Thebaischer Wüste: ich glaube immer ‚zwei Jahre Bargfeld & Arbeit an ZT‘ würden selbst dem rindsledernsten Heiligen zu denken geben. (Zumal ich – im krassen Gegensatz zu Ihrer wohlwollenden Prognose – mit nichten der Hoffnung lebe, ich würde nun, mit diesem Werk in der Hand, endgültig den Gipfel des Parnaß usw.; (was allein rein technisch unmöglich ist; wird mein Büchlein doch, (wie Krawehl jüngst, besorgt, errechnete), 25 Pfund wiegen: wir haben vor, es mit Trageriemen binden zu lassen, und den größten Teil der Auflage unserer Bundeswehr, für Gepäckmärsche, zu offerieren); immerhin, Sie sehen, eine gewisse Einzigartigkeit ist fast schon garantiert). – Genug der Witze: lieber wieder ruff uff de Galeere! -; (die größte Hexe, die ich kenne, heißt Ausdauer!).-„

Gesetzt ist Zettel’s Traum nun aus dem Arbeitsschacht, von dessen Grabungen Schmidt hier berichtet, heraus und man kann es endlich lesen wie ein normales Buch, beispielsweise wie einen Roman unter anderen, die in Moderne und Postmoderne mit Formen nichtlinearen Erzählens experimentieren.