hallo, mondproblem? ein bestand.

 

Was für ein Schriftsteller ist Arno Schmidt?

Einer, der auf 220 Seiten "Das steinerne Herz" folgende Bildchen klebt:

 

Der Mond, das halbe Gesicht geschwärzt, belauerte mich um die Hausecke.

und

Der Auftrieb der Sterne. Der weiße Schriftzug des Mondes.

und

ein abgebrochener Hornlöffel steckte ; im steifen Himmelsbrei ( = Mond ).

und

Taubildung wird durch Mondschein befördert : am Horizont begann ein Stern zu blinken : kurzkurz : lang : kurz / lang : kurzkurz !

und

der Grünspan des Mondes erschien ab und zu über der Bohnerwand

und

sofort wurde die Bretterwand des Himmels graugelb ; platt drauf geleimt die leere Miene des Mondes

und (schön!)

wenn mir der Mond wie ne Aspirintablette vorkommen : bin ich daran schuld, oder Bayer-Leverkusen ? !

und

Ein Astsystem schrieb hebräisch vor die Mondwolke.

und

( Schon hatte sich der Mond in seiner eigenen Lichtschlinge gefangen ).

und

Mondmoos wucherte an allen Wolken

und

3 Uhr 60 : in rosigen Schluchten stürzte der schon leichengrüne Mond von Zacke zu Zacke.

und

Der Mond wurde sogleich zur Kalkschale , in Mörtelhaufen gesteckt : wozu weiß ich nicht

und

Horchten auf den stundenlangen Güterzug, der durch die Mondmilch kullerte.

und

Der Mond hatte seinen öligen Claim um sich abgesteckt.

und

Der Mond rührte langsam im Schleim.

und

die Plankonvexlinse des Mondes prüfte Waldpräparate ; schiefschultrig wartete der Baum hinter mir.

und

Im Augenrahmen: ein Laib Mond spießte in den Ästen, fern über Köpenick.

und

Die rostige Spange des Mondes an der Baskenmütze.

und

Hinter der Fensterscheibe, ganz hoch : das eisige Kanu des Mondes. Mechanisch glitt der kleine Bug durch kleine Wolkenwellen.

und

Erwacht : richtig : noch sah der Mond aus, wie ein Stück Erndußschale !

und

Die verschneiten Zwergpalmen des Grünkohls vorm Schloß ; in den widerlichen Gärten der Beamten : ganz nahe und liederlich scharf hing der Mond dran.

und

Nur 2 Gestirne, Mond und Jupiter : Würde genügen.

und

Die schwarze Pfanne der Nacht : 1 Spiegelei drin gebraten. Blaßgelber Dotter, wabbeliges Wolkenweiß. Wind zischte fett : Mond der Köchinnen.

und

Das Nachtauge rollte zyklopisch amüsiert

und

( Mond in einem dunklen Wolkentupf. In Osten schmierte schon dunkles Rot auf Blei ; so ganz still. )

und

Mondnacht : Ein Helles Ausgefranstes, einbetoniert.

und

Aus der schlechten Fensterscheibe starrte mich das verzerrte weiße Gesicht an ( Mond )

und

Der Mond sprang von Giebel zu Giebel mit ; zwischen Radiosternen.

und

Der breite Mond schillerte ; der Frost versuchte uns die Finger abzuklemmen.

 

29 Mal. Auf 220 Seiten.

Kommentare
  • Bonaventura 4. Oktober 2010 at 16:53

    "was ich schon so an Mondmetaphern ersonnen habe; es wäre nicht mehr als recht und billig, einen Mondkrater nach mir zu benennen!" — Arno Schmidt: Schulausflug

  • Giesbert Damaschke 4. Oktober 2010 at 17:25

    Schmidt war ein großer Selenomane, der Mond spielt eine immens wichtige Rolle im Werk. Und seine Mondmetaphern füllen ein ganzes Buch, wortwörtlich: Karl H Rofkar: Ein rissig verschimmeltes Gesicht…: Die Mond-Metaphern im frühen und mittleren Erzählwerk Arno Schmidts. Eine lexikographische Anthologie nebst zwei Anhängen. — Und Rofkar kümmert sich noch nicht um ZT, AmG oder SdA.
     

  • Bonaventura 5. Oktober 2010 at 14:01

    Füllt sogar zwei Bücher, denn die Fortsetzung des unsinnigen Sammelwerks von Rofkar ist ja auch erschienen.