Hans Test und das -Syndikat (oft auch fälschlich -Kartell)

Man kann sich fragen, warum der Autor den Namen eines mittelitalienischen Flusses trägt.

Man kann sich die Frage stellen, weshalb Schlegel/Tieck (waren es: Schlegel/Tieck?) Shakespeares Figur Nick Bottom mit »Niklaus Zettel« übersetzt haben.

Der französische Bottom heisst »Bobine« (= Spule), der spanische »Canilla«, was dasselbe ist. In der italienischen Übersetzung wird Bottom schlicht beibehalten.

Mit Zettel kann man im Deutschen einiges anfangen. Freilich geht der sexuelle Hintersinn des Originals weitgehend verloren.

Dafür steht Zettel ganz hinten im Alphabet.

Im Stück »Ein Sommernachtstraum« ist Bottom/Zettel eine eitle Knallcharge, Mitglied einer Dilettanten-Truppe aus Handwerkern.

Erstaunlich, daß Schmidt mit dem stark sexuell aufgelandenen Bottom nichts anfängt (oder hat Hans Test etwas überlesen?).

Bottom: »Boden«, »Sitz«, »Webgrund«.

Bottom heisst auch »Hintern« und diejenige Person, die beim Sex unten liegt (ggs von »Top«). Neulich konnte man das aus einem kenntnisreichen Artikel über »Barebacker« in der »taz« lernen. »Barebacker« sind Leute, die ohne Sattel reiten, aber auch solche, die aus Prinzip beim Sex auf Kondome verzichten.

Für Schmidt muss »Zettel« ein gefundenes Fressen gewesen sein. Hätten sich die Übersetzer für »Göpel« oder »Haspel« entschieden, hätte Schmidt vermutlich einen anderen Roman schreiben müssen.

Man kann mit der heutigen Bedeutung von »Zettel« so viel anfangen, dass der ursprüngliche Sinn des Namens für den Weber aus »Ein Sommernachtstraum« vollkommen verblasst ist. Im Mittelhochdeutschen ist Zettel »Garn«, der Kettfaden eines Gewebes.

Ist dieser Einfall der Übersetzer deshalb so gelungen, weil er gut in die deutschen Verhältnisse passt? Ins Biedermaier, das sich gern verzettelt?

A.J. Storfer meint: »Zettel beruht auf mittellateinisch cedula, lateinisch schedula, Papierblättchen, Verkleinerung von scheda, scida, das von griechisch schide, abgerissenes Stück, kommt (zu schizein, spalten, enthalten in unseren Fremdwörtern Schisma, schizophren, urverwandt mit scheiden …)«  (A.J. Storfer, Im Dickicht der Sprache, Nachdruck Vorwerk 8, Berlin 2000, S. 228)

Vom »Hintern« zum »Fetzen«, eine erstaunliche Transformation.