schreiben 1

DP (Seite 22/23)

Wer Dichtung will, muß auch die Schreibmaschine wollen.

Schreiben ist Arbeit. Das Gegenteil, das Andere ist, was die DP machen, was sie ersehnen, die Dichterpriester:

›Den Geist‹ ganz aufgeben; und nur — noch ›automatisch schreiben‹!

 

Dagegen das Unermüdliche des "Mosaikarbeiters". Allerdings ist er "verdächtich", weil er klaren Kopf behält. Woher aber rührt die Geistesgegenwart? Sie hat sich, so Daniel Pagenstecher, materialisiert und man könnte sie sehen und greifen, wenn man "1 Mal in unsre Schädel schauen" würde. Was sich dort findet, hat offenbar eine Form erlangt, die nichts als Mosaike hervorbringen kann. Denn im gleichen Atemzug, im Nachsatz werden "6 Jahre ›im Krieg‹" als strukturgebend benannt. Die Arbeit des Schreibens ist nichts als Zwang. Nichts, dessen sich einer brüsten könnte.

Ich habe … längst eine gründliche Abneigung gegen mich

Das setzt sich fort durch das ganze Buch. Der Dichterarbeiter Daniel Pagenstecher treibt Poe den Dichterpriester aus, indem er ihn als "deplacierte Persönlichkeit" kenntlich macht und damit vor allem sich selbst als deplaziert, dissoziiert etc. ausstellt.

(›Arbeiter—Dichter‹? (: das wär ooch
so was! …)
(›D (aniel) : P  (agenstecher)‹ pro-
bierte s leise neben mir.) / (›kalt‹?
(Oder ›lieb‹?))

Kommentare
  • Jan Sueselbeck 2. Oktober 2010 at 21:21

    Keine neue These: "Zettel's Traum" ist das Resultat einer schweren Krise. Die Dinge um ihrer selbst Willen zu tun, ergibt noch lange nicht zwangsläufig ein gutes Buch. Erst danach ging es literarisch wieder bergauf. "ZT" aber ist Schmidts "Nachsommer", verkleidet als bleierner Bürokraten-Katalog eines ehemaligen Buchhalters, Logarithmen-Sammlers und NS-Artillerie-Ballistik-Rechnungskünstlers. Die angebliche opfervolle Entsagung in Bargfeld war bloß Selbstzweck, alkoholische Schreib-Selbstflucht und damit poetischer Leerlauf; gerade diese analytische Perspektive aber macht das Buch auf seine Weise auch wieder ganz besonders interessant. Man sollte "ZT" einmal mit Blick auf die gesellschaftlichen Folgen der NS-Zeit in Deutschland lesen, das allgemeine Verschweigen der Shoah und die üblichen Formen privater Legenden der Täter-Opfer-Umkehr. Da liegt der patagonische Hase im Pfeffer.
    Best,
    Jan Süselbeck