Zitat des Abends

„Ein Kunstwerk, das man nur 1 Mal zu sehen=hören braucht, um es erschöpfend erfaßt zu habm : das wäre kein KunstWerk ! –

(Nebenbei ein kurzer Stellenvergleich: ZT 112 im Typoskript, 113 in der neuen Ausgabe; Forssman hat die Unterstreichungen getilgt und stattdessen Kursivierungen verwendet, so wie hier wiedergegeben.)

ZT habe ich vor 40 Jahren gelesen…

ZT habe ich vor 40 Jahren gelesen, liegend, jedesmal den Beginn und das Ende der Lesezeit mit hauchzartem Bleistift vermerkend. Und den BB habe ich noch immer abonniert. In den vier Jahrzehnten sind gewaltige Romanweltreiche zu meiner Lesebiographie hinzugekommen. Um nur die (in alphabetischer Reihenfolge) zu nennen, die für mich noch heute Maßstäbe setzen: Roberto Bolano, (Jorge Luis Borges, dessen Werk sich zu den großen Romanen verhält wie die negative Theologie zur „positiven“), Heimito von Doderer, Albert Paris Gütersloh, A.F.Th. van der Heijden, (jetzt gerade Haruki Murakami mit „1Q84“), Vladimir Nabokov, Wolf von Niebelschütz, Thomas Pynchon, Albert Vigoleis Thelen – von den Klassikern ganz zu schweigen. Da fällt es mir nicht leicht, abermals wieder die roten Ohren zu bekommen. Und dann ist da plötzlich doch etwas da, schon auf der zweiten Seite des „Schauerfeldes“: „Kühe & Wolken: Sinnbilder voneinander“. Sinnbilder mithin, nicht einfach nur klecksographische Parodien, sondern: Embleme! Auf solche nanopoetischen In(ter)ventionen beginne ich mich zu freuen.

Hermann Wallmann, geboren 1948 in Rheine/Westfalen; Studium der Germanistik, Theologie  und Erziehungswissenschaft in Münster. Seit 1974 Gymnasiallehrer in Münster-Wolbeck. Literaturkritiken, Aufsätze. Seit 1998 Mitglied im P.E.N. Zentrum Deutschland.

Die Geburt Arno Schmidts aus dem Geist der Vergangenheit

„Die Moderne hat dem Menschen das Recht erkämpft, sich auszukotzen“, hat Davila gesagt. Ich nutze meine Rechte. Mein Hausgott ist gestürzt. Nicht nur die Treppe runter, das wäre bei sechs Kilo Buch schon genug, nein ganz, aus der Anbetbarkeit herausgefallen. Da habe ich also seit zwei Wochen ZT durch die Gegend gewuchtet, jetzt endlich fi/rte/letiert und den ersten Band der Studienausgabe zuhause hingelegt, einen Platz gesucht zum Lesen, Sofa besetzt, liegt schwangere Frau, Tisch ist unbequem, extra am Morgen raus, um sieben, wenn der Kopf noch frisch ist und nicht durch Nachrichten und Zeitung verklebt. Und dann zwischen den Stacheldrähten der ersten Seite durchgeschlüpft, nur ein bisschen eingelesen – also, tut mir ja leid.

Ich wäre gerne Fan von sowas, ich möchte wirklich wieder Teil einer Geistesbewegung sein – aber das hier ist schon arg geschmacksnervenaufreibend und was für die, die ihre intellektuellen Initiationsriten jetzt gerne leinengebunden zuhause stehen haben wollen. Vielleicht ist das ja die Sorte Mann, die man in weniger belesenen Kreisen als die kennt, die mit 40 endlich ihr Traummotorrad kaufen, und die jetzt den Rolling Stones von Konzert zu Konzert hinterherreisen. Weiterlesen

4D-Körnchen

Aber wie der Schmidt-Text die Schrift, oder wenigstens die Substantiv-Schrift, als etwas Vierdimensionales herzeigt. (Unter all dem Geraune über ‚die Schrift’ und ihre Abwesenheiten: auch mal Ernst gemacht damit.)

Buchstaben klauben – da fehlt doch was – Einsatz Kopfstimme – da fehlt doch was – Bild, Bilder, kippeln – zurück auf Los oder Absprung.

Das hat was, für mich, wie aus diesem Gummiband zwischen unlöslichem Aussprechen und Hingeschriebenem die Bilder und Sprechs wie kleine Hologramme herausschießen.

Vor allem ist es keine schlechte Handhabung der Zeit. Wie die Körnchen ins filmische/dramatische Verstreichen gestreut werden. So dass sich die Zeit zu kleinen Schleifen, Schlaufen biegt, über einem Wort als dem Gewackel zwischen Schreib und Sprech und Mals dir aus.

Vielleicht ist von da her mein erster Impuls gekommen: ich hätte lieber die Zettel als den gesetzten Traum. Dann hätte man nur diese Körnchen und würde sich einiges sparen können. Und wäre freier in der Wahl der Distanz.

Und man könnte von den Zetteln kommend kleine digitale Installationen basteln, morphende loops. Könnte man aber so natürlich auch, wenn man könnte; oder wollte.