Hallo, Gesamtwerk? Ein Einstieg.

Wo habe ich Ethan Hawke zum ersten Mal gesehen? Wahrscheinlich in „Der Club der toten Dichter“ in den Neunzigern, im Feiertagsprogramm der ARD. Karfreitag? Samstag? Nachts? Ich weiß nicht mehr – so um den Dreh: Am selben Wochenende kam auch „Hamlet“ mit Mel Gibson. Die „toten Dichter“ waren Kitsch, aber „Hamlet“ war toll: Mir war der Plot noch neu und ich war überglücklich, dass ich ihn überhaupt verstand. Ich war 14.

Ein Jahr später sah ich Ethan Hawke noch einmal, im Kinofilm „Gattaca“, und dann noch einmal im Dezember 2000, in der Hauptrolle einer „Hamlet“-Neuverfilmung. Im Herbst 2001 stand Hawke dann zwischen meinen Amazon-Empfehlungen: Er hatte mit 26 einen Roman über das Liebesleben eines jungen Schauspielers geschrieben, „Hin und weg“; ich habe ihn gekauft, gelesen, sehr gemocht und an alle Freunde empfohlen. 4 von 5 Sternen! Ein schöner Zufall. Ein guter Fund.

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Die Eigenart der Hingabe

Als würde die deutsche Sprache noch einmal entstehen.
Als würde die deutsche literarische Sprache noch einmal hervorbrechen.
Als würde die deutsche Kunst in der Sprache noch einmal geboren werden.

Nun. Arno Schmidt hat während der Jahr über Jahr dauernden Arbeit an Zettels Traum kaum noch geschlafen. Hat kaum noch das Zimmer verlassen. Hat keinen Spaziergang mehr gemacht. Hat keinen Brief mehr beantwortet.
Er mag völlig verbissen gewesen sein. Ich-versessen. Und besessen. Besessen von der totalen Konzentration auf das Schreiben von Zettels Traum.
Im Akt des Schreibens aber. Im Tun. Im Vollzug des besessenen total konzentrierten Schreibens hat sich die Wandlung vollzogen. Der Vollzug des besessenen total konzentrierten Schreibens war ein Jahr über Jahr dauerndes sich Hingeben an die deutsche literarische Sprache.
Es war Hingabe.
Es war besessene konzentrierte Hingabe.
Und diese besessene konzentrierte Hingabe hat diesen Witz hat diese Leichtigkeit hat diese Zartheit und diese Anmut entstehen lassen.

Das ist eigenartig. Nicht wahr.
Eine besessene konzentrierte totale Hingabe führte zu diesem Witz. Zu dieser Leichtigkeit. Zu dieser Zartheit. Zu dieser Anmut.
Dieses Eigenart von Hingabe gibt es nicht in der Liebe. Aber es gibt sie in der Kunst.
Manchmal gibt es sie in der Kunst.

Katrin de Vries, geboren 1959 in Dollart, arbeitet als Schriftstellerin in ihrer Geburtsstadt. Veröffentlicht neben Prosa auch Theaterstücke und Comics.

Erinnerung, sprich (II)

Wenn man Zitate aus Zettel’s Traum (ZT) abtippt, erinnert man sich gleich wieder schmerzlich, wie anstrengend das eigentlich ist. Jedenfalls dann, wenn man dabei keine Fehler machen will. Und wenn man sich schon bei den zwei, drei Zeilen hier so konzentrieren muss, ohne zu wissen, woher man den accent grave für das "ä" in dem Wort "Männer" kriegen soll – wie zermürbend muss das bei den Tausenden von Normalseiten erst für den Setzer Friedrich Forssmann gewesen sein:

„‚Dem Herrn bitte noch I ‚Alte Kanzlei‘; aber n richtjn Whizzky=tumbler : was für Männer, gelt Paul?‘ / (Und beide lächelten : Sie, OLD=CUNT=SLY, sprungdecklich=tausendgüldenschnittig;)“

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Erinnerung, sprich (I)

Müllerhaus 1

© litplan.de


Nun ist es also tatsächlich soweit. Einmal mehr die Beschäftigung mit diesem Oschi von einem Buch! Gleich beim ersten Durchblättern der von Suhrkamp verschickten Druckfahnen des Beginns von Zettel’s Traum fiel mein Blick auf folgende erregende Textstelle:

„-) : ‚Fleisch ! : Fleisch ! –‘ stöhnte Paul : ‚ch hab auf einma’n Waren Vùlvs=Hunger!‘ / – : ? / ­–): ‚Achirgndwas; mit phil Culorien drin : Büxenfleisch meinthalbm. Uppeteat uff Ghoularsch.‘“

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