lesen 2

„und loses Blattwerk heißt hier soviel/wie welcher von zettels träumen“

schrieb Ginka Steinwachs 2002 in barnarella oder das herzkunstwerk in der flamme (Wien: Passagen). „heran heran wer lesen kann“. Friedhelm Rathjen hat darauf verwiesen, dass Zettel’s Traum in vielerlei Hinsicht ein Buch der 60er Jahre ist. Nun lese ich also wieder und lese kreuz und quer in die Zeit hinein, aber auch von dort aus hin zu unserer Gegenwart, mit der Frage, wie unmöglich oder produktiv oder beides solche Kontextualisierungen sind. Einige unvollständige Notizen, die sich fortsetzen lassen: Weiterlesen

lesen 1

„Weniger stachelig“ ist das Buch nun, sagte Jan Philipp Reemtsma kürzlich im Deutschlandradio, weniger stachelig als sein Ruf. Schiebt man mal einen Moment lang alles beiseite, was man möglicherweise an Vorwissen zu „Zettel’s Traum“ oder zu Arno Schmidt besitzt. Muss dann dieses Bemühen um Rechtfertigung und Beschwichtigung nicht eigenartig anmuten? Mit dem Wissen um die Entstehung und die Rezeption und schließlich auch um die Arbeit an der Neuausgabe ist das natürlich nicht eigenartig, sondern erklärt sich selbst. Und nicht nur das, auch das Resultat des gesetzten Buches, also die leichtere Lesbarkeit gegenüber dem faksimilierten Typoskript scheint sofort einsehbar. Gute Nachrichten also, dienen sie doch der Vorstellung, der Zutritt zu einem bedeutendem Werk der Gegenwartsliteratur, würde fortan über eine niedrigere Schwelle erfolgen können. Weiterlesen

schreiben 4

„Schluß mit’m Schreiben!“ So Daniel Pagenstecher zu Paul Jacobi (S. 59). Woraus ist das die Konsequenz? Die Diagnose, erst zwar auf Poe gemünzt, dann aber schnell auf Pagenstecher zurückgespiegelt, lautet auf „mehr oder minder—geschickt zu Rate gehaltene Armut“ (S. 78) der Disposition zum Schreiben. Pagenstecher weiter:

Und ich meine jetzt noch gar nich ma so sehr die Obsessionen beziehungsweise ‚Vermeidungen‘, an den’n schließlich jéder Schaffende laborirt; und bei denen es sich um keine bloßen künstlerischen Unarten handelt; sondern um, konstitutionell bedingte, ipsissima verba; oder inappellable Reihenfolgen von Zwangsgebilden …

Schreiben, um mit dem Schreiben aufzuhören. Weiterlesen

schreiben 2

Schreiben ist Arbeit, ist Dienst und Fron. Das Werk als megalomanes Grab. Ein buchstabiles Gegengewicht zur verlorenen Lebenszeit, die Brotberuf und Krieg für Arno Schmidt im nachhinein bedeuteten. Doch diese Hoffnung ist nur ein Witz. Dazu ist der Schacht zu tief, der Zwang zu deutlich. Wie durchsichtig das im Schreiben wird, ist zugleich der Zugang für die Lektüre.

Am 20. Januar 1967 schreib Arno Schmidt in einem Brief an Hans Wollschläger:

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